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Vortrag
“Wie das Leben zum Kunstwerk wird”
Am Mittwoch, 12. November, 2008 um 19 Uhr
Im Rahmen der Bilderausstellung “Und ich höre das Meer guten Morgen sagen”
hat Künstlerin und Therapeutin Vesna Bakic den Vortrag gehalten und Fragen gestellt wie:
Was bewegt die Menschen an der Kunst, an den Künstlern? Was macht Künstler und andere schöpferisch tätige Menschen aus? Wie gehe ich einen eigenständigen schöpferischen Weg? Wie realisiere ich eigene Träume und Visionen?
Mein Vortrag bezieht sich nicht “nur” auf die Menschen die im “normalen” Sinne Kunst machen, sondern auf die, die im weitestem Sinne jede entwickelte Tätigkeit als Ergebnis eines kreativen Prozesses schaffen,und weiterhin, auf den Prozess selbst, das seit der Moderne und Beuys auch als Kunst definiert wird. Ich beleuchte die Parallele von der Kunst zur Leibpsychotherapie. Im Leibpsychotherapeutischen Prozess ist man wie im erleben der Kunst, weniger mit Verstehen dabei, sondern damit, sich mit Leib und Seele, Gemüt und Denken daraufhin einlassen können. Eine Möglichkeit sich zunehmend im “Spürbewußt” sein zu üben. Als “Spürbewußte” sind wir hautnah auf unseren Entwicklungsspuren.
Es ist mir wichtig zu vermitteln, dass der Mensch der sich selbst, dass heißt seine vitalsten Kräfte spürt, mit sich selbst und seinem Tun glücklich ist, auch bei Dissonanzen. Und hier spräche ich aus eigener Erfahrung.
Viele Menschen hegen den Wunsch irgendwann zu malen oder etwas anderes tun, was ihren innersten Wunsch entspricht und dieses gelingt ihnen nicht. Ihnen fehlt die Energie dieses zu verwirklichen, ihres Innersten bewusst zu werden und es zu leben. Das Gefühl zu bekommen, am Ende der Suche angelangt zu sein.
Es ist mir wichtig zu vermitteln, dass ich den Menschen, die sich von der Schilderung meiner künstlerischen und therapeutischen Arbeit angesprochen fühlen, helfen kann, glücklich zu sein. Indem sie sich z.B. im Spürbewußtsein und Resonanz üben.
Ich denke an die Person, die ich begleitet habe. Ihr großes Thema war frei malen zu können. Das Resultat war, frei leben zu können,sich stabil, glücklich und stark zu fühlen.
Was ist Kunst? Wikipedia liefert für das Wort Kunst folgende Beschreibung:
“Das Wort Kunst bezeichnet im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist. Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.”
Im weiteren Text kann man nachlesen, wie man Kunst durch verschiedene Epochen definiert hat. Wie schwierig es ist Kunst zu definieren, zeigt das Buch “Der Schlüssel zur Kunst – Was verbindet den Höhlenmenschen, Leonardo da Vinci und Beuys? ”(Verlag Liedtke Museum, 5441 Wirneburg), in dem man 100 Definitionen zur Kunst findet. Die Bedeutung der Kunst entzieht sich der begrifflichen Sprache. Man kann es umschreiben. Es ist schwierig zu beantworten, was die Kunst ist, sondern eher, wie und wo sie wirkt und was sie mit uns macht.
Man kann es vergleichen mit dem Wort Leben. Auch hier bekommt man keine leichte Antwort auf die Fragen was es ist oder warum, sondern wie es ist.
“Leben ist die charakteristische, aber schwierig zu definierende Eigenschaft, die Lebewesen von toter Materie unterscheidet. Wesentliche Merkmale sind Stoff- und Energieaustausch mit der Umwelt sowie Fortpflanzung und Wachstum.” (Wikipedia)
Oben haben wir vorhin Begriffe wie Wahrnehmung, Vorstellung, Intuition, kreativer Prozess, gehört: Merkmale des Lebens, Energieerfahrungen.
“Kreativität kommt von den lateinischen Wörtern creare – etwas neu schöpfen, erfinden, erzeugen, herstellen und crescere - werden, wachsen, wachsen lassen. Der Aspekt, einen von selbst geschehenden Vorgang, wie zulassen, wachsen lassen, kommt dem fernöstlichen Denken nah. Eine gelungene Balance zwischen aktiven Gestalten und passiven Geschehen lässt, sowohl alltägliche, wie auch außergewöhnliche Kreativität entstehen”. (Wikipedia) In dieser Balance entsteht Kunst und sie ist die Grundlage Der Leibpsychotherapie.
Es ist mir wichtig zu zeigen in welchen Dimensionen man sich bewegt, wenn man von der Kunst spricht, wenn man mit der Kunst zu tun hat. Ohne darüber nachzudenken, steckt man die Kunst und die Künstler vielleicht schnell in die Schublade, gesponnen, nicht für das Leben richtig zu gebrauchen.
Mein Schwerpunkt liegt in dieser Ausführung auf dem Teil der Kunstdefinition, Kunst entsteht aus dem kreativen Prozess und das Kunstwerk kann der Prozess selber sein. Den Grundstock für dieses Denken hat in der modernen Kunst Josef Beuys geprägt. Hier sein berühmtes Zitat:
“Jeder Mensch ist ein Künstler. Damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt...Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff.”
Der Titel zu meinem Vortrag ist ein Zitat von Wolfgang Boesner, aus seinem Buch “Was Kunst alles kann oder wie das Leben zum Kunstwerk wird”, und es ist dem Beuyschen Gedankengut sehr verwandt.
Wolfgang Boesner war in den 80er Jahren als Maler und Bildhauer tätig und ist heute Unternehmer. In seinen 30 Filialen beliefert er Menschen in ganz Europa mit dem Künstlerbedarf.
Ohne den starken, künstlerischen Gestaltungswillen, ein Begriff, dass er selber gebraucht, wäre dieses nicht möglich. In seinem Buch plädiert er für die Kunst und die künstlerische Tätigkeit, für die er in jedem Menschen großes Potential sieht. Und nicht nur in jedem Einzelnen, sondern in der Gesellschaft.
Er sieht Kunst, als das am meisten unterschätzte Phänomen unserer Zeit. Dies mag daran liegen, dass Kunst mit Künstlergrößen wie Michelangelo, Pablo Picasso oder Gerhard Richter gleichgesetzt wird und mit dieser Haltung zum Gegenstand distanzierter Betrachtung, zum langweiligen Konsumprodukt wird.
Eine distanzierte Haltung haben die Menschen auch zu der Bezeichnung das Schöpferische künstlerisch zu nennen, oder sie kennen es nicht.
Sie haben auch viel Bewunderung für Kunst und Künstler und Sehnsucht selbst musisch, künstlerisch zu schaffen. Und denken oft, sie arbeiten künstlerisch nur wenn sie malen, musizieren oder dichten.
“Kunst ist jedoch dann radikal mehr, wenn sie zum eigenen künstlerischen Handeln führt. Sie lässt uns bevorzugt dort künstlerisch tätig werden, wo wir ohnehin Talent, Intuition, Begeisterungsfähigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit besitzen …Künstler und andere schöpferisch Tätige sind Menschen, die unvoreingenommener und genauer hinsehen, länger und fragender nachdenken, mehr Muse haben, den Dingen ihre Zeit zu geben, neugierig und unerschrockener an bestimmte Ideen, Themen und Phänomene herantreten, das noch Entfernte beharrlicher und intensiver umkreisen. Sie handeln dabei frei und selbstverantwortlich aus ihrem innersten, lebendigen Gewissen, aus ihren eigenen Erkenntnissen, Überzeugungen, Ideen und Kräften heraus, gebären sich selbst, fliesen aus sich heraus, leben einfach sich selbst. ” (Wolfgang Boesner “Was Kunst alles kann, oder wie das Leben zum Kunstwerk wird”)
Eine großartige Beschreibung der lebendigen Kreativität.
Vor diesem Zitat ist oft das Wort Distanz gefallen. Sich selbst zu leben ist das Gegenteil davon. Es ist das unmittelbare Erleben und Handeln, sich selbst immer neu gebären.
Das unmittelbare Erleben ist die Resonanz. Man erlebt dieses unmittelbar womit man in Resonanz ist. Dann ist man Spürbewußt. Dazwischen sind noch viele Abstufungen. Wo befinden sich die meisten Menschen auf dieser Skala zwischen dem unmittelbaren Erleben von sich selbst und der Distanz zu sich selbst und dem eigenem lebendigen Leben? Übrigens auch die Berufskünstler?
“Leben einfach sich selbst“, war meiner Erfahrung nach, nicht so einfach und selbstverständlich. Und ich würde sagen die Kunst und die Leibpsychotherapie haben mein Leben geprägt und verändert. Ich komme diesem Ziel immer näher.
Meine Kunstwerke gaben mir, spätestens im Nachhinein eine Ahnung davon, welches Lebensthema bei mir zu dieser Zeit aktuell war. Mit der Leibpsychotherapie kam die größere Bewusstheit und ich konnte vieles hinter mir lassen, was mich daran hinderte glücklich zu sein.
Peter Schellenbaum ist der Begründer der Psychoenergetik und Leibpsychotherapie. Es besteht die Verwirrung in der Benennung unserer Art der Arbeit. Peter Schellenbaum nannte es zu erst Psychoenergetik dann Leibpsychotherapie und neuerdings wieder Psychoenergetik. Das Wort Energie, Lebensenergie ist ihm sehr wichtig, aber auch Leib, ein altes deutsches Wort für Seele, Geist und Körper. Es bedarf eines Wortes, das beide Begriffe beinhalten würde. Das Wort Therapie soll nicht störend empfunden werden, sondern klärend. Bei den Themen, die man in meiner Praxis bearbeiten kann, handelt sich nicht um krankhafte Störungen. Massive psychische Störungen wie z.B Suchterkrankungen, schweren Depressionen, Essstörungen bin ich nicht befugt sie zu behandeln. Wenn, dann neben der psychiatrischen Behandlung, begleitend.
Einer von mir geschätzten Sätze von Peter Schellenbaum ist: “Sich in das Leben hinein zu sterben”.
Das unlebendige, starre zu verändern und in vielen Schritten hinter sich zu lassen, macht Angst und erfordert Mut. Auch deswegen scheuen die Menschen, sich in solche Prozesse einzulassen. Oder es ist für sie noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Sich in das Leben hinein zu sterben, heißt auch sich immer neu gebären: Dimension des Todes im Leben. Sie ist in der Kunst auch sehr wichtig. Die Kunst, die diese Dimension verweigert, bleibt auf der Ebene der Dekoration.
In meiner kunstpädagogischen Arbeit begegne ich oft den Menschen, die die Farbe Schwarz meiden. Ich weise dann auf die schwarzen Tasten am Klavier hin. Man kann nur richtig musizieren in dem man schwarze und weiße Tasten bedient.
Eine weitere Parallele zwischen Kunst und Leibpsychotherapie ist die Dimension des Spiels: Ausprobieren, wiederholen, verwerfen, Zeit und Raum einnehmen, Rollenspielen, Spielregeln entwickeln, mit festen und offenen Grenzen. Das Spiel ist das Ziel seiner selbst. Dieses kann man gut bei den Tieren beobachten. Z.B. wenn ein großer Hund mit dem Kleinem spielt. Wenn der Große, den Kleinen überwältigen werde, wäre das Spiel schnell zu Ende.
Das Spielerische ist die Grundhaltung der Leibpsychotherapie. Der Therapeut, oder in meinem Fall die Therapeutin hat kein Bedürfnis sich ihrem Mitspieler, dem Therapieteilnehmer/der Therapieteilnehmerin ihre Auffassung aufzuzwingen. Sie muss sich nicht mal bewusst zurückhalten dabei. Die Resonanz zwischen den beiden macht sie zur bloßen Mitspielerin. Machtausübung und Kreativität schließen sich aus. Direktive Haltung verträgt sich nicht mit Resonanz. “Dauerhafte Heilung kann nur von innen Dank der Priorität des Spielens, des Mitspielens erfolgen” (Peter Schellenbaum, Zeitschrift für Psychoenergetik, Nr. 3/2000).
Manchmal werde ich gefragt, ob es mich anstrengt, mit den „Problemen“ der Menschen, zu tun zu haben. Nein. Ich fühle die spielerische Leichtigkeit, bin besonders wach konzentriert und gefordert aber nicht angestrengt. Resonanz ist mehr als Empathie, was heißt, sich in den anderen einfühlen können. Empathie ist zwar eine gutgemeinte aber noch immer distanzierte Haltung dem anderen gegenüber. Mit der Resonanz ist man mit beiden Beinen im Spiel, im Prozess. Die Resonanz spürt man körperlich.
Zum Beispiel kann die Therapeutin Anstrengung fühlen, wenn sie in ihrem Komplex getroffen wird: zum Beispiel im Minderwertigkeitsgefühl. Wenn ihr das im Prozess bewusst ist, arbeitet sie in diesem Gefühl verweilend, im Fluss weiter. Wenn nicht, verfällt sie mit dem Therapieteilnehmer in ein Machtspiel, um ihn zum Beispiel zu überzeugen, dass sie im Recht ist. Der Teilnehmer geht aus dieser Begegnung, die kein Spiel mehr ist, keine Resonanz, energetisch geschwächt raus. Die Therapeutin ist ärgerlich über sein mangelndes Wohlergehen. Jetzt habe ich mich so angestrengt und der Undankbare ist nicht zufrieden.
Aber weg im Moment von den Machtspielen und zurück zu den Gedanken von Wolfgang Boesner, die mich motiviert haben diesen Vortrag zu schreiben.
“Ist der persönliche künstlerische Kreislauf erst einmal in Gang gesetzt, würde es vielen gar nicht so schwerfallen, noch ein Stück weiterzugehen und sogar das eigene Leben zu einer Art Kunstwerk zu machen. Gar nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das Umdenken gelänge, dann wäre sie wirklich da, die neue große Zeit der Kunst. Auf persönlicher, wie auf gesellschaftlicher Ebene.”
Wie gelingt es mir z. B. mutiger zu werden, mehr Muse zu haben, genauer hinsehen, eigenen Ideen und Träumen nachzugehen, sie tatsächlich verwirklichen?
Jede Idee entsteht zu erst in der Ahnung, in der Phantasie. Man kann sie dann lange hegen oder konkreter werden lassen, versuchen einen genauen Plan zu machen sie ausführen oder verwerfen.
In meiner Galerie mache ich z. B. seit zwei Jahren Veranstaltungen ohne einen festen voraussichtlichen Plan. Wenn sich eine Idee in meinem Inneren meldet, folge ich ihr, auch wenn sie mir am Anfang etwas “ spanisch “ vorkommt. Das war nicht immer so. Ohne einen ganz genauen Plan wagte ich mich an die Projekte nicht heran. Und auch dann, fühlte ich mich dabei, wie bei dem Sprung ins kalte Wasser.
Auf meinem Weg in die Angstfreiheit und Zuversicht war für mich, die Wechselwirkung zwischen Kunst machen und Leibpsychotherapeutisch an mir arbeiten, wichtig. Die Bilder nur zu malen, hätte bei mir nicht gereicht.
Was Peter Schellenbaum mit dem folgenden Zitat meint, habe ich viele male in sogenannten “ Spontanritualen ” (der Name für die Gruppenarbeit in der Leibpsychotherapie) am eigenen Leib erlebt:
“Viele Menschen kommen auf der visuellen Spur, das heißt, durch das Anschauen von Bildern, oder das Schaffen von Bildern…am leichtesten mit sich in Berührung…Damit jedoch die heilsam wirkenden Bilder sich nicht wieder verflüchtigen, reicht es nicht aus, sich mit ihnen zu beschäftigen…Die Wirksamkeit der Bilder wird dadurch gesteigert, das wir gleichzeitig mit ihren Betrachten…wir uns von innen her spüren, präzise auf unsere wechselnde körperlichen Empfindungen und Gefühle achten und uns aus dieser parallel zur Auseinandersetzung mit Bildern genau beschreiben. Dann erleben wir den Bilderfluss zunehmend als Energiefluss und die Bilderspur findet ihr körperliches Flussbett.” (Peter Schellenbaum, Vortrag: “Resonanz in der psychotherapeutischen und anderen Beziehungen. Liebe als heilende Kraft”, Monte Verita, 2002
Jeder Mensch hat ein eigenes Energiemuster. In der Leibpsychotherapie arbeiten wir vorrangig an dem Energiemuster, nicht an dem Symptom Die Wandlung der Energiemuster, bringt von alleine mit sich, die Veränderung der Verhaltensmuster. Es wandelt sich nicht nur der Mensch selbst, sondern er in den Beziehungen, das heißt auch sein Umfeld, wobei wir auch bei der spirituellen Dimension der Leibpsychotherapie und der Kunst sind:
“Der sich in Resonanz befindende psychoenergetische Therapeut ist Sprachohr des inneren Menschen im Selbstinitianten (Therapieteilnehmer). Durch sein Dasein ermöglicht er die Erfahrung von Ganzheit. In dieser sowohl inneren als auch äußeren Ganzheit schlummert das Wesentliche der menschlichen Identität. Ich bin nicht ich, ich bin auch nicht du. Ebenso wenig bin ich die Summe von uns beiden. Auf meine individuelle Art bin ich die gleiche Ganzheit, die auch du bist, und nicht nur du, sondern ebenfalls, unzählige andere, sogar Tiere und Pflanzen, selbst die unbelebte Natur. Alle sind wir das gleiche, die gleiche Ganzheit, wenn auch jeder und jedes auf besondere, auf individuelle Art.” (Peter Schellenbaum, Zeitschrift für Psychoenergetik, Nr. 3/2000).
Es bewegt mich tief, wenn jemand feststellt, das unmögliche ist möglich geworden. Und es handelt sich dabei um kleine alltägliche Dinge. Für mich sind solche kleinen Dinge, große Wunder.
Die Wirkung der Bilder auf die Menschen erlebe ich außer in meiner eigenen künstlerischen Arbeit im pädagogischen und therapeutischen Bereich. Im pädagogischen Bereich lernen die Menschen bei mir Zeichnen und Malen. Ich betreue sie individuell, dass heißt, jeder arbeitet an seinem Thema und mit seiner Technik. Somit kommen sie auch auf die eigene Spur. Sichtbar ist dieses z. B. daran, dass ihre Bilder nicht so aussehen wie meine, wie oft der Fall ist, wenn die Menschen bei den Künstlern malen lernen. Die Wirkung der Kunst auf die Menschen ist tiefgehend. Man kann nicht eine eigene bildnerische Handschrift entwickeln, wenn man sich nicht darauf einlässt. So mag so eine Wandlung in den pädagogischen Stunden bei mir auch therapeutisch sein. Die Wirkung der Kunst lässt sich nicht einschränken, die Grenzen sind fließend. Aber in den pädagogischen Stunden wird nicht mehr als die eigene Entwicklung im Bereich des Malens diskutiert. Wer mehr benennen möchte, sich mehr erfahren möchte, kann in die therapeutische Stunden kommen. Zu der Arbeit im therapeutischen Bereich gibt es eine klare Trennung. Therapeutisch arbeite ich nur mit den Menschen die sich dazu klar entschieden haben.
Wenn in meinem Atelier in den Kursen oder Seminaren gearbeitet wird, kann man dieses, besonders abends, gut von außen sehen. Geschützt von den Blicken von Außen läuft die therapeutische Arbeit. Im folgenden Text werde ich sie beschreiben:
Einzeltherapie:
Der Teilnehmer/in schildert sein Anliegen. Ich bin auf den Inhalt der Schilderung und besonders auf den leiblichen und energetischen Ausdruck des Teilnehmers/in konzentriert. Bei dem Teilnehmer/in melden sich Energiesignale. Ein Energiesignal kann z.B. ein Wort, ein Satz, eine Gebärde, ein Bild, ein Traum, eine körperliche Empfindung, eine Selbstberührung, eine Bewegung, eine Erinnerung, eine Phantasie, ein Bild, eine Haltungsveränderung, das sich mit der besonderen Intensität meldet, sein. Ein Energiesignal ist ein “Klopfsignal” aus dem Unbewussten und ambivalent, geprägt von Tendenz und Antitendenz. Der Teilnehmer/in merkt oft nicht, das es da ist. Möglicherweise melden sich Scham und Wiederstand. Ich deute auf das Energiesignal hin, lade den Teilnehmer/in ein in ihm zu verweilen, es im Leib zu spüren (Z.B. ein energetisch geladenes Wort mehrmals zu wiederholen, auf den Klang der Stimme und auf den Körper zu achten, mit dem Wort zu spielen). Das Spüren gelingt z.B. in dem der Teilnehmer/in in diesem Augenblick die stärkste Empfindung im Körper genau und nach Möglichkeit detailiert beschreibt. Ist das Spüren gelungen, bleibt der Teilnehmer dabei und überlässt “die Führung“ dem Körper, ohne willentlich etwas tun zu wollen. Der Teilnehmer/in und ich bleiben spürend dabei in der gemeinsamen Schwingung, in Resonanz. Die Empfindungen im Körper des Teilnehmers/in wandeln sich, neue Energiesignale melden sich, der Prozess läuft weiter. Die blockierte Lebensenergie ist freigesetzt, der Wandlungsprozess ist im Gang.
Malen in der Einzelstunde
Spüren im Körper ist nicht selbstverständlich. Zu erfahren, dass man an gewissen Punkten nicht spürt ist sehr wertvoll. Das Spüren fängt mit Wahrnehmen an. In der therapeutischen Stunde bei mir kann man an so einem Punkt (und auch sonst) mit Malen weitermachen. Der Teilnehmer/in steht vor einem großen Papierbogen und wählt, nach dem momentanen inneren Impuls, die Fingermalfarben aus. Formen, Farben, Linien, Punkte fliessen aus dem Unbewussten, passend zu dem ursprünglichen Anliegen des Teilnehmers/in, auch wenn vorher keine klare Vorstellung da ist, was man malen möchte. Das Bewusstwerden des Gemalten wird gesteigert, indem wir über das Bild sprechen und es im Körper verankern, z. B. durch die Frage von mir, welches Element des Bildes bewegt Sie im Moment am meisten? Welche ist ihre stärkste Körperempfindung im Moment? Und der Prozess läuft, wie oben beschrieben weiter.
Ich arbeite nicht-direktiv, erteile keine Ratschläge, werte und urteile nicht. Ich erspüre und begleite, was bei den Menschen in Moment ins Leben drängt. Ich vertraue und richte mich nach der Energiespur und den Energiesignalen des Teilnehmers/in. Auf diese Art verarbeitet der Teilnehmer/in, was für ihn im Moment das Wichtigste ist, was die größte Effektivität in dem Wandlungsprozess bietet und wird auch davor geschützt, Themen aufzugreifen, die nicht dran sind.
Gruppentherapie – Spontanritual
Leibpsychotherapie eignet sich besonders für die Arbeit mit der Gruppe. Energiesignale, Spürbewusstsein und Resonanz, wie oben beschrieben, sind auch hier die Basis der Arbeit.
Die Teilnehmer sitzen mit mir im Kreis und schildern nacheinander knapp ihr Anliegen. Zu den Inhalten ihrer Schilderungen zeigen sich Energiesignale. Die Gruppendynamik wird sichtbar, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede untereinander in den Themen der Teilnehmer.
Ich lade ein, einen Schritt weiter im eigenen Prozess, mit mir zusammen, in der Mitte des Kreises zu tun. Jemand meldet sich und die Arbeit wird in der Mitte fortgesetzt.
Die Art der Arbeit zwischen mir und dem Teilnehmer/in in der Mitte der Gruppe ist im Prinzip so wie in der Einzelstunde beschrieben.
Die Beziehungsebene zwischen Teilnehmer/in und Therapeutin im Einzelgespräch ist intensiver und direkter als in einer Gruppe.
Aber in der Gruppe entsteht ein viel größerer energetischer Raum und Resonanzkörper als dieses im Einzelgespräch möglich ist. Die Gruppe wird zum Doppeln, Spiegeln, zu den Rollenspielen, Entmischungen und Aufstellungen, in die Arbeit zwischen der Therapeutin und dem Teilnehmer/in einbezogen.
Zum Schluss der einzelnen Arbeit ergibt sich in der Gruppe die Möglichkeit zum sogenannten Teilen.
Die Begegnungs- und Wahrnehmungsübungen, zwischen und zusätzlich zu den den Spontanritualen, bieten ein wertvolles Experimentierfeld für die Teilnehmer/in.
Die Arbeit von mir mit dem Teilnehmer/in in der Gruppenmitte nennt man in der Leibpsychotherapie Spontanritual.
Leibpsychotherapie ist, wie ich schon geschrieben habe, die von Peter Schellenbaum entwickelte Art der Arbeit mit den Energiesignalen, dem Spürbewusstsein, der Resonanz und den Spontanritualen. Sie basiert auf der Analytischen Psychologie C.G. Jungs, dem Psychodrama, der Gestalttherapie, der Integrativen Therapie, Voice Dialogue, Bioenergetik, Atemtherapie, christlicher und östlicher Mystik. In meiner therapeutischen Arbeit nach Peter Schellenbaum integriere ich das Malen im Sinne von Leibpsychotherapie.
Da ich in meiner therapeutischen Arbeit so viele Parallelen zur Kunst finde, nenne ich sie Kunsttherapie.
In der Darstellung der Parallele zwischen Kunst und Leibpsychologie habe ich viel von Spüren, Spürbewüßtsein und Resonanz, geschrieben. Diese Begriffe sind schwer zu erklären da sich vieles im Bereich des Unausgesprochenen bewegt. Man muss sich einlassen und am eigenen Leib ausprobieren.
Und doch ist es der Neurowissenschaft gelungen es wissenschaftlich zu belegen. Man kann es im Buch von Joachim Bauer “Warum ich fühle, was du fühlst – Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone” nachlesen. In der Zeit in der alles wissenschaftlich belegt werden muss, obwohl wir intuitiv die Wahrheit im Leben spüren, ist dies ein revolutionäres Buch für die Psychotherapie.
Spiegelneurone sind für die emotionale Resonanz zuständig und können auf die von mir beschriebene Art trainiert werden.
In der Wissenschaft und vor allem in der Physik, in der Quantenphysik hat sich in den letzten jahrzähnten sehr viel getan. Sie hat trotz aller Widerstände ihren Einzug in das gesellschaftliche Leben geschafft, weil sie uns Menschen die Möglichkeit gibt, sich selbst als Schöpfer der eigenen Realität zu erkennen.
Unter dem Motto “ Jeder kann seine eigene Realität so kreieren, wie er es will, bewusst, nachhaltig, ganzheitlich” fand im Oktober am Johan Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main ein Kongress mit dem Thema “ Wissenschaft trifft Spiritualität” statt, erstmalig in dieser Form im deutschsprachigen Raum.
Vesna Bakic, November, 2008
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